Französischlehrerin
Meine Tante meinte: „Vom praktischen Leben solltest du dich abwenden.“

Diese faszinierende Lebensweisheit kam mitsamt Esoterikbüchern über Seelenwanderung, Geisterbeschwörung und indische Philosophie, dazu ein Schachbrett und die Lektion, wie die Figuren fahren. Zu der Zeit war ich etwa 10 Jahre alt und von dem Sinnspruch und der Lektüre ein bisschen überfordert.
Gespielt hat sie mit mir nie. Aber, sie hat es geschafft, dass Schach von da an in meinem Kopf verankert war. Erst viel später begann ich selbst regelmäßiger zu spielen.
Ich unterrichtete an der Maturaschule Dr. Roland und tauschte mich dort mit einem Schüler namens Felix aus. Er erzählte mir, dass er nicht nur schachbegeistert, sondern sogar Schachlehrer sei. Ich freute mich, mit ihm spielen zu können. Schon nach wenigen Partien erkannte er meine Skills und Einstellung. „Du spielst ja einfach so dahin.“ „Stimmt“, sagte ich. „Ich bin wahrscheinlich weder talentiert noch ehrgeizig.“
Er zeigte mir die Stappenmethode-Hefte, mit denen man strukturiert und dennoch spielerisch die Taktik verbessern kann.
Als Nächstes schlug ich vor, gemeinsam ein Schulschachturnier zu organisieren. Offen für Schüler wie Lehrer. Felix war sofort dafür und bereit, die Rolle des Schiedsrichters zu übernehmen. Das war 2015 und es macht mich stolz, dass es als jährliches Format bestehen blieb, weil es damals so erfolgreich war.
Inzwischen gibt es eine zweite Turnierreihe, die ich ins Leben gerufen habe, und zwar direkt hier in meinem Garten. Jedes Jahr in August finden sich, an einem Samstagnachmittag, bis zu 18 Frauen ein, die sich in einem Schnellschachformat um Feigenmarmelade, Schokolade und andere kleine Preise messen.
Schach ist ein besonderes Spiel. Es ermöglicht einen schnellen Zugang zu verschiedensten Menschen, aber in einer besonnenen Art. In der ruhigen Stimmung, die das Spiel erzeugt, entsteht ganz von selbst ein entspanntes Miteinander.


